Mähroboter und Igel teilen sich denselben Lebensraum: den Rasen. Für das Tier kann die Begegnung schwer enden, denn Igel laufen vor Gefahr nicht davon. Dieser Beitrag richtet sich an alle, die einen Mähroboter besitzen oder anschaffen wollen und ihren Garten trotzdem tierfreundlich halten möchten. Er erklärt, warum gerade Igel gefährdet sind, was Tests mit Mährobotern ergeben haben, welche Betriebszeiten sinnvoll und erlaubt sind und wie Sie vorgehen, wenn Sie ein verletztes Tier finden.

Igel läuft in der Dämmerung über den Rasen, der Mähroboter steht in der Ladestation

Warum Igel besonders gefährdet sind

Die meisten Wildtiere flüchten, wenn sich etwas Unbekanntes nähert. Der Igel verlässt sich auf sein Stachelkleid: Er bleibt stehen, duckt sich oder rollt sich zusammen. Gegen Fuchs und Dachs hilft das oft, gegen ein rotierendes Mähwerk nicht.

Hinzu kommt der Tagesrhythmus. Igel sind dämmerungs- und nachtaktiv. Sie suchen ihre Nahrung – Käfer, Larven, Regenwürmer – bevorzugt auf kurz gehaltenem Rasen, also genau dort, wo der Roboter fährt. Ein leises Gerät, das nachts unbeaufsichtigt seine Bahnen zieht, trifft deshalb mit höherer Wahrscheinlichkeit auf ein Tier als ein Mäher, der am Nachmittag läuft.

Besonders gefährdet sind Jungtiere. Sie sind kleiner, passen leichter unter das Gehäuse und werden von Stoßsensoren schlechter erfasst. Im Spätsommer und Herbst sind viele junge Igel unterwegs, die sich vor dem Winterschlaf noch Fettreserven anfressen müssen.

Was Tests mit Mährobotern gezeigt haben

Eine dänisch-britische Forschungsgruppe hat 18 Mähroboter-Modelle an toten Igeln unterschiedlicher Größe geprüft. Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Kein Gerät erkannte einen Igel aus der Entfernung. Die Roboter reagierten erst, wenn sie das Tier berührten.
  • Einige Modelle wichen nach der Berührung aus, ohne Schaden anzurichten. Andere überfuhren den Körper und verursachten Verletzungen.
  • Kleine Jungtiere wurden deutlich schlechter erkannt als ausgewachsene Igel.
  • Die Unterschiede zwischen den Modellen waren groß. Bauweise und Lage der Klingen spielten eine Rolle.

Die Untersuchung stammt aus dem Jahr 2021; seither sind viele Geräte mit Kamera und Objekterkennung auf den Markt gekommen. Solche Systeme können helfen, sind aber kein Freibrief: Bei Dunkelheit, hohem Gras oder verschmutzter Linse arbeitet eine Kamera schlechter – also genau unter den Bedingungen, unter denen Igel unterwegs sind. Wie die verschiedenen Navigations- und Sensorsysteme grundsätzlich arbeiten, lesen Sie im Überblick Mähroboter im Garten: Technik, Sicherheit und Kaufkriterien.

Betriebszeiten: Der wirksamste Schutz

Die einfachste Maßnahme kostet nichts und lässt sich in jeder App einstellen: Lassen Sie den Roboter nur bei Tageslicht fahren. Als Faustregel gilt, den Mähgang erst deutlich nach Sonnenaufgang zu starten und rechtzeitig vor der Abenddämmerung zu beenden.

Beachten Sie dabei drei Punkte:

  1. Zeitplan mit der Jahreszeit anpassen. Im Oktober wird es wesentlich früher dunkel als im Juni. Ein Zeitplan, der im Sommer passt, reicht im Herbst weit in die Dämmerung hinein.
  2. Herbst besonders ernst nehmen. Vor dem Winterschlaf sind Igel länger auf Nahrungssuche, Jungtiere mitunter auch tagsüber. Wer den Roboter in dieser Zeit seltener fahren lässt, verliert wenig – der Rasen wächst ohnehin langsamer.
  3. Frühjahr nicht vergessen. Nach dem Winterschlaf sind die Tiere geschwächt und halten sich gern in Laub und hohem Gras am Rasenrand auf.

Was rechtlich gilt

Zwei Regelungen berühren den Betrieb eines Mähroboters unmittelbar.

Lärmschutz. Die Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung (32. BImSchV) erlaubt den Betrieb von Rasenmähern in Wohngebieten an Werktagen nur zwischen 7 und 20 Uhr; an Sonn- und Feiertagen ist er ganztägig untersagt. Der Nachtbetrieb ist dort also schon aus Lärmschutzgründen nicht zulässig – unabhängig davon, wie leise das Gerät ist.

Artenschutz. Der Igel zählt in Deutschland zu den besonders geschützten Arten. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist es verboten, solche Tiere zu verletzen oder zu töten. In der Roten Liste der Säugetiere Deutschlands wird der Igel auf der Vorwarnliste geführt: Die Bestände gehen zurück, auch wenn die Art noch nicht als gefährdet eingestuft ist.

Einige Kommunen haben darüber hinaus eigene Nachtfahrverbote für Mähroboter erlassen. Zeiträume und Details unterscheiden sich von Ort zu Ort. Fragen Sie im Zweifel bei Ihrer Stadt- oder Gemeindeverwaltung nach, ob eine solche Regelung besteht.

Den Garten igelfreundlich einrichten

Neben den Betriebszeiten können Sie die Fläche selbst so gestalten, dass Roboter und Igel sich seltener begegnen:

  • Rückzugsorte ausgrenzen. Hecken, Laub- und Reisighaufen, Kompostecken und Staudenbeete sind Tagesverstecke und Nistplätze. Legen Sie die Mähgrenze so, dass der Roboter einen deutlichen Abstand hält.
  • Wilde Ecken stehen lassen. Ein ungemähter Streifen bietet Insekten Lebensraum – und damit dem Igel Nahrung abseits der Mähfläche.
  • Vor dem Mähen kontrollieren. Gehen Sie die Fläche ab, wenn der Roboter nach längerer Pause wieder startet oder das Gras hoch steht. Das gilt vor allem im Frühjahr.
  • Fallobst aufsammeln. Es lockt Insekten und Schnecken an und damit auch Igel auf den Rasen.
  • Schnitthöhe nicht zu niedrig wählen. Ein etwas höher eingestelltes Mähwerk lässt mehr Abstand zwischen Klingen und Boden.

Von den Maßnahmen profitieren auch andere Tiere, die sich bei Gefahr ducken statt zu fliehen, etwa Kröten, Blindschleichen und junge Vögel am Boden.

Worauf Sie beim Kauf achten können

Ein verbindliches, allgemein anerkanntes Prüfzeichen für Igelsicherheit gibt es bislang nicht. Werbeaussagen wie „tierfreundlich“ sind deshalb mit Vorsicht zu lesen. Folgende Fragen helfen beim Vergleich:

  • Erkennt das Gerät Hindernisse erst bei Berührung oder schon vorher, etwa per Kamera oder Ultraschall?
  • Bis zu welcher Objektgröße funktioniert die Erkennung laut Hersteller – und bei welchen Lichtverhältnissen?
  • Wie weit liegen die Klingen vom Gehäuserand entfernt, und gibt es eine Schürze oder einen Klingenschutz?
  • Sind die Klingen frei pendelnd gelagert? Sie weichen bei Widerstand eher aus als ein starres Messer.
  • Lassen sich Zeitpläne nach Sonnenauf- und -untergang ausrichten oder nur nach festen Uhrzeiten?

Auch das beste Erkennungssystem ersetzt die Beschränkung auf den Tagbetrieb nicht, sondern ergänzt sie.

Wenn Sie einen verletzten Igel finden

Schnittverletzungen durch Mähroboter betreffen häufig Kopf, Schnauze und Beine. Verletzte Igel ziehen sich oft zurück und werden erst Tage später entdeckt. Ein Igel, der tagsüber offen herumliegt, torkelt, von Fliegen umschwärmt wird oder sichtbare Wunden hat, braucht Hilfe.

  1. Schalten Sie den Mähroboter aus.
  2. Nehmen Sie das Tier mit Handschuhen oder einem Handtuch auf und setzen Sie es in einen hohen Karton mit Luftlöchern, ausgelegt mit Zeitungspapier oder einem alten Handtuch.
  3. Stellen Sie den Karton an einen ruhigen, zimmerwarmen Ort.
  4. Wenden Sie sich umgehend an eine Igelstation, eine Wildtierauffangstation oder eine Tierarztpraxis. Dort wird entschieden, wie es weitergeht.

Versuchen Sie nicht, Wunden selbst zu behandeln, und geben Sie keine Milch – Igel vertragen sie nicht. Ein flaches Schälchen Wasser genügt, bis fachkundige Hilfe erreichbar ist.

Häufige Fragen

Reicht es, den Mähroboter nachts auszuschalten?

Es ist die wichtigste Einzelmaßnahme, aber nicht die einzige. Die Dämmerung gehört dazu, und im Herbst sind Jungtiere gelegentlich auch bei Tageslicht unterwegs. Ein Kontrollgang über die Fläche und ausgesparte Rückzugsorte senken das Risiko zusätzlich.

Sind Mähroboter mit Kamera für Igel sicher?

Sie können Hindernisse früher erkennen als Geräte mit reinem Stoßsensor. Eine Garantie ist das nicht: Die Erkennung hängt von Licht, Grashöhe und Größe des Tieres ab. Fragen Sie beim Hersteller nach, wie die Funktion getestet wurde.

Darf mein Mähroboter am Sonntag fahren?

In Wohngebieten nicht. Die 32. BImSchV untersagt den Betrieb von Rasenmähern an Sonn- und Feiertagen ganztägig, und das gilt auch für leise Roboter.

Wann halten Igel Winterschlaf?

Je nach Witterung ziehen sie sich im Spätherbst zurück und werden im Frühjahr wieder aktiv. In dieser Zeit ruht in der Regel auch der Mähroboter. Achten Sie beim Aufräumen des Gartens darauf, Laub- und Reisighaufen nicht umzusetzen – darin kann ein Igel schlafen.

Lesen Sie auch

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Er ersetzt weder die Bedienungsanleitung des Herstellers noch eine Rechtsberatung oder die Einschätzung einer Tierarztpraxis.

Quellen

  1. Rasmussen S. L., Schrøder A. E., Mathiesen R., Nielsen J. L., Pertoldi C., Macdonald D. W. Wildlife Conservation at a Garden Level: The Effect of Robotic Lawn Mowers on European Hedgehogs (Erinaceus europaeus). Animals. 2021; 11(5): 1191.
  2. Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung (32. BImSchV), § 7: Betrieb in Wohngebieten.
  3. Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG), § 44: Vorschriften für besonders geschützte und bestimmte andere Tier- und Pflanzenarten; Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV), Anlage 1.
  4. Meinig H., Boye P., Dähne M., Hutterer R., Lang J. Rote Liste und Gesamtartenliste der Säugetiere (Mammalia) Deutschlands. Naturschutz und Biologische Vielfalt 170 (2). Bundesamt für Naturschutz, Bonn, 2020.